Den Stärken auf der Spur!
Ein Moment aus der Praxis
Ein Junge aus der sechsten Klasse saß vor den Karten.
Vor einem Jahr war seine Familie hier in die Stadt gezogen.
Neue Schule. Neue Mitschüler. Neue Umgebung.
Vieles hatte sich verändert. Zu viel.
Und während im Außen alles neu war, war auch in ihm gerade vieles im Umbruch. Auch im Vergleich mit anderen sah er nur noch das, was gerade nicht funktionierte.
Er deckte eine Karte auf:
„Was könnte das Beste an mir werden?“
Schulterzucken.
Ein schnelles „Keine Ahnung“.
Es war ihm anzusehen, wie er in Gedanken suchte. Die Frage blieb im Raum.
Dann sagte er:
„Darüber habe ich noch nie so nachgedacht.“
Er fügte hinzu:
„Und ich hab eigentlich noch einiges vor.“
Er begann zu erzählen.
Warum dieses Werkzeug entstanden ist
Mit der Pubertät verändert sich vieles gleichzeitig. Der Körper verändert sich. Die Anforderungen in der Schule steigen. Die Orientierung im Freundeskreis wird neu ausgewürfelt.
Und irgendwo zwischen Schule, Familie, sozialen Medien und dem ständigen Vergleich mit anderen tauchen Fragen auf:
Wer bin ich eigentlich?
Kann ich etwas gut?
In dieser Überforderung geraten ausgerechnet die eigenen Stärken aus dem Blick. Das, was nicht gelingt, drängt sich in den Vordergrund.
Diese Schatzkiste hilft dabei, wiederzuentdecken, was da ist. Und mehr.
Und manchmal liegen danach herrlich einfache Erkenntnisse auf dem Tisch:
„Ich bin gar nicht so weird.“
„Ich bin eigentlich ein ganz stabiler Kumpel, glaube ich.“
„Ich mach meine Sachen doch ganz gut.“
Gedanken, die uns bei der Entwicklung begleitet haben
- Jugendliche sind oft viel mehr, als sie gerade von sich halten.
- Der Vergleich mit anderen ist selten fair.
- Stärken zeigen sich nicht nur in Leistungen, sondern auch in Eigenschaften, Interessen und Beziehungen.
- Vergessene Erfolge verdienen Aufmerksamkeit.
- Bestärkung wirkt oft stärker als jede Erklärung.
Was in der Praxis oft passiert
Jugendliche kommen ins Erzählen.
Aus einem schnellen „Weiß nicht“ werden erste Antworten.
Jugendliche erleben: Ich bin nicht allein mit meinen Fragen.
Vergessene Stärken werden wieder sichtbar.
Vergleiche verlieren an Bedeutung.
Der Blick auf sich selbst wird freundlicher.
Selbstzweifel bekommen Konkurrenz.
Etwas Bestärkendes wird mitgenommen.
Aus der Werkstatt
Jugendliche wollen sich selbst besser verstehen.
Eigene Stärken zu entdecken, ist ein wichtiger Schritt.
Genauso wichtig ist es, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und einordnen zu können.
So begegnen sich die Themen Stärken und Gefühle in der Praxis immer wieder.