Ein Moment aus der Praxis
Ein Jugendlicher deckte eine Karte auf und las:
„Was erinnert mich an eine gute Zeit?“
Er dachte einen Moment nach.
„Die Sommerferien bei meinem Opa.“
Mehr sagte er zunächst nicht. Später erzählte er von langen Fahrradtouren, einem kleinen See und davon, wie er dort manchmal den ganzen Tag draußen war.
Das Gespräch drehte sich nicht mehr nur um das, was gerade schwer war. Sondern auch um etwas, das noch da war. Eine Erinnerung. Ein Gefühl. Ein Stück von ihm selbst.
Warum dieses Werkzeug entstanden ist
Häufig begegnen uns Jugendliche und Erwachsene, die besonders viel wahrnehmen. Sie denken intensiv nach. Sie machen sich Gedanken über sich selbst, andere Menschen und die Welt um sie herum.
Manche spüren Spannungen früh. Manche beschäftigen Fragen länger. Manche tragen Verantwortung, bevor andere sie überhaupt wahrnehmen. Diese Fähigkeit kann eine große Stärke sein. Und manchmal wird sie gleichzeitig zur Belastung.
Ein Kollege sagte einmal einen Satz, den ich zunächst etwas ungewöhnlich fand:
„Ein Glück, dass es diese tiefgründigen Menschen gibt. Das gibt mir Hoffnung.“
Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr konnte ich ihm zustimmen. Denn hinter Niedergeschlagenheit, Rückzug oder Grübeln steckt oft nicht Gleichgültigkeit. Sondern das Gegenteil.
Es ist diesen Menschen nicht egal, wie es anderen geht. Nicht egal, was in ihrem Leben geschieht. Nicht egal, wie die Welt aussieht.
Depressive Verstimmungen und anhaltende Niedergeschlagenheit gehören bei Jugendlichen zu den häufigsten und oft auch zähesten Herausforderungen. Wenn Energie, Hoffnung oder Antrieb fehlen, geraten Gespräche manchmal ins Stocken.
Die Memo-Schatzkiste LEBENSFREUDE wurde direkt aus der täglichen Praxis entwickelt, um spielerische Leichtigkeit in dieses schwere Thema zu bringen. Sie schlägt eine sanfte Brücke zwischen Verstehen und Handeln. Zwischen Nachdenken und Ausprobieren. Zwischen dem Erkennen eigener Muster und den ersten kleinen Schritten im Alltag.
Nicht mit Druck. Nicht mit schnellen Lösungen. Sondern mit kleinen Schritten. Mit Fragen. Mit Gedanken. Mit Erfahrungen. Mit konkreten Handlungen, die sich unmittelbar ausprobieren lassen.
Manchmal beginnt Veränderung mit einer Erinnerung, mit einem Gespräch oder mit einem bewussten Atemzug. Und manchmal mit einer Karte, die den Blick wieder auf etwas richtet, das längst da war.
Und dabei entstehen ganz einfache Erkenntnisse:
„Ich bin nicht falsch, weil ich viel wahrnehme.“
„Auch kleine Schritte können etwas verändern.“
„Lebensfreude darf wieder einen Platz in meinem Leben bekommen.“
Was in der Praxis oft passiert
Ins Gespräch kommen
Das gemeinsame Suchen von Kartenpaaren nimmt oft Druck aus der Situation. Viele Gespräche entstehen nicht durch Nachfragen, sondern ganz natürlich über die Karten und die gemeinsamen Entdeckungen im Spiel.
Wahrnehmen
Manche Karten helfen dabei, wieder genauer hinzuschauen. Auf Gedanken, Gefühle, Gewohnheiten und Situationen, die im Alltag oft selbstverständlich geworden sind.
Verstehen
Zusammenhänge werden greifbarer. Spieler entdecken nach und nach, was ihre Stimmung beeinflusst, was Kraft kostet und was ihnen guttut.
Erinnern
Oft geraten schöne Erfahrungen, persönliche Stärken oder hilfreiche Gewohnheiten in schwierigen Zeiten aus dem Blick. Manche Karten führen genau dorthin zurück.
Ausprobieren
Viele Impulse bleiben nicht beim Nachdenken stehen. Kleine Übungen und Aktionen laden dazu ein, neue Erfahrungen direkt im Spiel oder im Alltag zu machen.
In Bewegung kommen
Oft entstehen aus einem Gespräch erste kleine Schritte. Eine Aktivität wird ausprobiert. Ein hilfreicher Gedanke festgehalten. Eine Idee mit in den Alltag genommen.
Zuversicht gewinnen
Nicht jede Karte verändert sofort alles. Aber häufig wächst das Gefühl, dem eigenen Erleben nicht hilflos ausgeliefert zu sein.
Mitnehmen
Viele Fragen wirken über das Spiel hinaus weiter und tauchen später im Alltag, in Gesprächen oder in stillen Momenten noch einmal auf.
Aus der Werkstatt
Die Memo-Schatzkiste LEBENSFREUDE 12+ gehört zu den Werkzeugen, die wir besonders häufig dann einsetzen, wenn Gespräche zwar wichtig sind, aber allein nicht mehr ausreichen.
Gerade Jugendliche erleben es oft als entlastend, nicht ständig direkt über ihre Schwierigkeiten sprechen zu müssen. Das Spiel schafft einen gemeinsamen Fokus. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Karten, die Fragen und die kleinen Aufgaben. Dadurch entstehen Gespräche ganz nebenbei.
Viele Kinder und Jugendliche kennen das Memo-Format bereits und erleben es als etwas Vertrautes. Statt Antworten finden zu müssen, suchen sie zunächst Kartenpaare. Darin zeigt sich auch eine Parallele: Während die Spieler nach passenden Karten suchen, beginnt oft auch die Suche nach hilfreichen Gedanken, neuen Perspektiven und kleinen Lösungen für den Alltag.
Besonders hilfreich erleben wir die Verbindung aus Reflexion und Handlung. Die Karten laden nicht nur zum Nachdenken ein, sondern immer wieder auch dazu, etwas auszuprobieren, wahrzunehmen oder im Alltag anders zu gestalten.
In vielen Fällen wird die Memo-Schatzkiste LEBENSFREUDE gemeinsam mit der Memo-Schatzkiste STÄRKEN eingesetzt. Während die LEBENSFREUDE-Karten dabei helfen, belastende Muster besser zu verstehen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, richtet die STÄRKEN-Schatzkiste den Blick auf Fähigkeiten, Ressourcen und das, was Menschen bereits in sich tragen.