Willkommen in der Welt der Stärken, Komplimente und Ziele!
Ein Moment aus der Praxis
Die erste Stunde einer neuen Kindergruppe. Manche Kinder reden sofort drauflos. Andere schauen erst einmal, was hier eigentlich passiert.
Ein Junge sitzt ganz still auf seinem Kissen. Die Schultern hochgezogen, den Blick nach unten. Am liebsten würde er in diesem Moment gar nicht auffallen.
In der zweiten Hälfte der Stunde liegen die Karten der Ressourcen- und Zielewerkstatt in der Mitte des Kreises.
„Welche davon sagen etwas über euch?“
Nach und nach suchen sich die Kinder ihre ersten Karten aus. Dann beginnen sie, sich gegenseitig Karten zu geben.
„Du kannst gut zuhören.“
„Und du bist freundlich.“
„Ich finde, du warst vorhin mutig.“
Die Karten wandern von Hand zu Hand durch den Kreis. Immer wieder sagen die Kinder, warum genau diese Karte zu einem anderen Kind passt.
Auch vor dem Jungen liegt inzwischen ein kleiner Stapel. Das Mädchen neben ihm lächelt und schiebt ihm noch eine Karte zu.
„Das mag ich besonders an dir.“
Er schaut auf die Karte.
„Hm … wirklich?“
Nach der Stunde schreiben die Kinder ihre ersten Stärken auf.
„Die nehme ich mit nach Hause“, sagt ein Mädchen.
Der Junge steckt seine Stärkenliste vorsichtig in den Rucksack. Beim Hinausgehen dreht er sich noch einmal um.
„Bis nächste Woche!“, ruft ein anderes Kind.
Er lächelt zurück.
„Ja.“
Warum dieses Werkzeug entstanden ist
Kinder und Jugendliche in unserer Praxis wissen oft ziemlich viel mehr über ihre Schwierigkeiten als über das, was sie bereits können.
Im Spiel zeigt sich immer wieder: Sobald eine erste Stärke gefunden ist und einen Namen bekommt, fallen nach und nach weitere ein. Aus einzelnen Entdeckungen und Rückmeldungen entsteht ein ganzes Bild der eigenen Stärken.
Dafür ist die Ressourcen- und Zielewerkstatt entstanden. Sie hilft, Stärken sichtbar zu machen, Worte dafür zu finden und von dort aus den Blick auf den nächsten möglichen Schritt zu richten. Defizite dürfen in den Hintergrund, dürfen warten. Wir wollen erst einmal gemeinsam entdecken, was ein Kind oder ein Jugendlicher bereits mitbringt.
Gedanken, die uns bei der Entwicklung begleitet haben
- Gemeinsam Worte finden für das, was Kinder und Jugendliche bereits mitbringen.
- Den Blick auf vorhandene Stärken richten.
- Die Vielfalt der Ressourcen sichtbar machen.
- Austausch und gegenseitige Bestärkung ermöglichen.
- Aus Stärken Ziele wachsen lassen.
Was in der Praxis oft passiert
- Der Blick weitet sich.
- Stärken bekommen Worte.
- Andere sehen mehr.
- Stärken zeigen Richtung.
- Wertschätzung wird erlebt.
Aus der Werkstatt
Kinder sprechen selten zuerst über ihre Stärken. Oft beginnen sie mit dem, was sie beschäftigt oder bewegt. Das Gefühlklavier lässt anklingen, was gerade in ihnen vorgeht. Die Ressourcen- und Zielewerkstatt greift diesen Faden auf und erweitert den Blick auf Stärken, Ressourcen und die nächsten Schritte.